Sehr geehrte Bauherrin, sehr geehrter Bauherr,

 

ich möchte Ihnen mit meinem kleinen Leitfaden eine Möglichkeit geben, den Verlauf Ihres neuen Heimes vom Wunsch zu Bauen bis zur Hausübergabe besser einzuordnen. Häufig überschlagen sich Ereignisse beim „Bau“ und verursachen dadurch nicht nur Stress, sondern können auch den abgesteckten Finanzrahmen ungewollt strapazieren.

 

Viele künftige Bauherren beschäftigen sich häufig mehr mit ihrem nächsten Urlaub oder dem neuen Auto, als mit ihrem Hausbau – obwohl es sich um die zumeist größte Investition in ihrem Leben handelt. Je mehr ein Bauherr Bescheid weiß, desto überzeugender kann er Arbeiten und Leistungen hinterfragen. Empfehlenswert ist es, den Baufortschritt regelmäßig zu verfolgen und eventuelle Änderungswünsche rechtzeitig einzubringen.

 

Das Bedürfnis in den eigenen vier Wände zu wohnen, ist sehr oft mit vielen persönlichen Emotionen und subjektiven Einschätzungen verbunden. Dabei sollten Sie nicht nur auf Ihr „Bauchgefühl“ hören, sondern vielmehr die sachlichen Argumente betrachten. Eine durchaus kritische Betrachtung von Reverenz oder Musterhäusern ist mit dem Hinterfragen von mündlichen Zusagen und dem Gegenüberstellen von Traum und Realität empfehlenswert. Rückfragen bei Freunden und Bekannten zu ihren Bau-Erfahrungen, sind häufig aufschlussreicher als viele Hochglanzprospekte.

 

Häufig stellt das Traumgrundstück einen erheblichen Kostenfaktor dar. Zu den eigentlichen reinen Baulandkosten kommen unter anderem noch die Notar- und Vermessungskosten. Die Grunderwerbssteuer und Kosten für das Katasteramt werden sehr oft von erheblichen Erschließungs- und Anschlusskosten begleitet. Manche Kommunen belasten Bauherren mit hohen Auflagen für den Straßenbau und das Abwassersystem.

Empfehlenswert ist es, vor Baubeginn die Bodenverhältnisse mit einem Baugrundgutachten zu prüfen. Dadurch kann bereits vorab eine „böse“ Überraschung beim Tiefbau vermieden werden.

 

Verkehrsanbindungen und Infrastruktur wie Arzt, Supermarkt, Schule, Kindergarten usw. stellen einen erheblichen Teil Ihres zukünftigen sozialen Umfeldes dar. Vorgegebene Bebauungspläne der Kommunen sollten bei der eigenen Planung berücksichtigt werden, um spätere Komplikationen bei der Baugenehmigung zu vermeiden.

 

Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden, hat sehr viel mit Raumklima zu tun. Natürliche Baustoffe wie zum Beispiel Holz, sorgen für ein ausgewogenes gesundes Raumklima. Ein aufeinander abgestimmtes Dämm- und Heizsystem garantiert im gesamten Jahr geringe Energiekosten für Ihre Behaglichkeit.

 

Extras im neuen Haus, wie zum Beispiel ein Wintergarten, können häufig nicht sofort realisiert werden. Sinnvoll ist es jedoch die Anschlüsse dafür bereits vorzubereiten. Das gleiche gilt, wenn der Keller oder das Dachgeschoß später ausgebaut werden sollen. Zu- und Ableitung für Heizung, Brauchwasser und Elektrik, sollten bereits bei der Planung mit berücksichtigt werden.

 

Ist der Bauwunsch konkret gereift, empfiehlt sich eine Zusammenstellung über die verfügbaren Finanzen. Ein erstes Gespräch mit einem Bau-Finanzierer ist zu diesem Zeitpunkt empfehlenswert. Eventuell fortlaufende Mietzahlungen, Bereitstellungszinsen, Zwischenfinanzierungen etc. sowie der zu erwartende Hausübergabetermin, haben maßgeblichen Einfluss auf Ihren Finanzrahmen. Ausschließlich ein "günstiger Finanzierungszins" ist meist nur der halbe Weg zum Neuen Haus.

 

Schlussendlich sollten Sie eventuell zu erbringende Eigenleistungen als „Finanzreserve“ genau unter die Lupe nehmen. Dabei kann die anfänglich freudige Selbsteinschätzung, schnell zur leidigen Selbstüberschätzung führen. Daraus resultieren unter Umständen ungeplanten Bauverzögerungen oder auch vermeidbare Baumängel. In vielen Fällen ist es günstiger die Arbeiten vom Fachmann ausführen zu lassen, anstatt sich mit wesentlich größerem Zeitaufwand abzumühen.

 

Bauhelfer aus dem Familien-, Freundes- oder Kollegenkreis müssen bei der Berufsgenossenschaft angemeldet und versichert werden. Sonst kann ein Unfall nicht nur die Freundschaft kosten, sondern auch zu erheblichen Schadenersatzforderungen führen.

 

Auf den nachfolgenden Seiten möchte ich Ihnen einen realistischen Ablauf (Fertighausbau) skizzieren. Hierbei habe ich besonderes Augenmerk auf die zeitliche Abfolge, die vertraglichen Leistungen und auf die von Ihnen zu erbringenden Voraussetzungen gelegt.

 

Eine Checkliste ist für Sie ebenfalls als PDF vorhanden. Hier haben Sie die Möglichkeit Ihren Bauverlauf schematisch abzuarbeiten.

Bei entstehenden Fragen oder Unklarheiten wenden Sie sich bitte rechtzeitig an Ihren jeweiligen Vertragspartner.